Van Nicholas Astraeus im Praxistest

24. Januar 2011 von Michael Maage  
Kategorie: Aktuelle News, Rennrad

Nachdem wir vor einiger Zeit schon die Gelegenheit hatten ein Van Nicholas Tuareg Mountaibike zu testen, war es nun an der Zeit die Rennradsparte der Niederländer unter die Lupe zu nehmen.

IMG 3743

Optisch hebt sich das Astraeus deutlich von anderen Titanrahmen ab. Großvolumige, außenprofilierte Titanrohre aus Ti3AL2.5V geben dem Bike ein eigenständiges Äusseres. Dabei handelt es sich um Rohre die mittels Hydroforming, zu deutsch Innenhochdruckformung, in Form gebracht werden. Bei diesem Verfahren wird eine Wasser-Öl-Emulsion mit bis zu 3.000 Bar in ein geschlossenes Formwerkzeug eingebracht.

IMG 3749IMG 3751

Rund um das so profilierte Ober- und Unterrohr haben die Schweißer von Van Nicholas einen modern auftretenden Rahmen geschweißt. Abfallendes Oberrohr und 34.9mm Sattelrohr mit 31.6mm Innendurchmesser zeugen vom Versuch die klassischen Werte eines Titanrahmens mit den modernen Anforderungen am Markt zu verbinden.

IMG 3742

In Sachen Komponenten wurde fast durchgehend auf die hauseigenen Modelle mit dem Label VNT zurückgegriffen. Kohlefaser-Gabel und -Laufräder für Drahtreifen, Aluminiumvorbau und -Lenker und eine Sattelstütze aus Titan mit 225 Gramm treiben das Gewicht des Testrades (Größe 56cm) auf runde 7,5 Kilogramm.

IMG 3745

IMG 3759IMG 3756

An der Verarbeitung des Astraeus gibt es nichts zu meckern. Vordergründig wird ein Titanrahmen zwar immer an dem Aussehen seiner Schweißnähte gemessen. Aber auch hier muss sich der metallene Holländer nicht hinter der Konkurenz verstecken. Sicherlich nicht so fein geschuppt wie die Referenzrahmen aus Steamboat, sieht man hier dennoch viel Liebe zum Detail. Die verbauten Komponenten wie die Dura-Ace Schaltung verrichten unauffällig und zuverlässig ihren Dienst. Einizig die hauseignen Laufräder hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Bremsmanöver sollten hier sorgfältig geplant werden und erfordern schon im Vorfeld ein vorausschauendes Verhalten des Fahrers, denn von Bremsleistung kann hier keine Rede sein. Die Oberfläche der Felgenflanken bilden mit verbauten Nachrüstbelägen für die Dura-Ace Bremsanlage kein harmonisches Pärchen. Hier sollte man ein wenig mit der Belagsmischung experimetieren um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.

IMG 3770

IMG 3747IMG 3752

Erhältlich ist das Edelmetal im Fall des Astraeus in den Rahmengrößen 50, 52, 54, 56, 58 und 60cm. Auf Wunsch gibt es natürlich auch die lohnenswerte Option eines Maßrahmens für 350 Euro Aufpreis. Preislich liegt die Standardvariante bei 2.395 Euro und Komplettaufbauten starten bei gut 3.700 Euro. Das gezeigte Testrad mit Hauskomponenten und kompletter Shimano Dura Ace kommt auf runde 6.000 Euro. Auch nach oben ist natürlich noch reichlich Luft. Mit der elektronischen Dura-Ace Variante und Lightweigts knackt man spielend die 10.000 Euro-Grenze.

IMG 3768

IMG 3757IMG 3769

Fahrtechnisch ist ein Titanrahmen immer eine Klasse für sich. Das Wörtchen Fahrdynamik wird einem carbonvorbelasteten Fahrer zum neuen Begriff. Nicht bocksteif, eher geschmeidig lässt sich das Astraeus durch so manch scharfe Kurve mit gewollter und kontrollierter Änderung des Bewegungszustands zirkeln. Harte Antritte verpuffen dennoch nicht vollends im Rahmen sondern werden präzise von der Kette auf das Hinterrad übertragen. Auf längeren Strecken spielt das Van Nicholas dann so richtig seinen Vorteil gegenüber jedem noch so teuren Kohlefaserrahmen aus. Komfort, das wiederentdeckte Kriterium im Rahmenbau, bietet das Titangeröhr schon von Haus aus und muss dem Rahmen nicht erst durch konstruktive Maßnahmen entlockt werden.

IMG 3762

Fazit: Wie auch schon beim MTB Touareg überzeugt der Titanrahmen durch schöne Details, wie der standesgemäßen Verarbeitung, netten Details, wie dem fein eingearbeiten Steuerrohrlogo, aber auch durch gute Fahreigenschaften. Lebenslange Garantie auf den Rahmen spricht darüber hinaus für das Vertrauen, dass Firmengründer Jan Willem Sintnicolaas und seine Mannen in ihre Handwerkskunst haben. Das Astraeus bildet durch sein nicht alltägliches Äusseres eine attraktive Basis für einen individuellen Bikeaufbau. Die hauseigenen Komponenten werden jedoch dem “High-End” Anspruch nicht in allen Belangen gerecht, können aber durch den Bike-Konfigurator auf der Webseite leicht nach den Bedürnissen des zukünftigen Besitzers angepasst werden. Übrigens: Die Rennradrahmen aus Titan starten bei Van Nicholas schon bei unschlagbar günstigen 1199 Euro. Das sag einer nochmal, die Niederländer könnten nur Holzschuhe und Käse…

Ähnliche Beiträge:

  1. Van Nicholas – The Titanium Bike Company
  2. Review Van Nicholas Tuareg
  3. Simplom Serum im Praxistest
  4. Simplon Stomp im Praxistest
  5. Canyon Ultimate CF SLX Ete 201 im Praxistest